Die OVAL Filmemacher Robert Cibis und Lilian
Franck
über den Film und seine Entstehung:
Idee
Als
wir 1998 durch den Stadtpark in Nicosia, Zypern, liefen, waren
wir plötzlich umgeben von Hunderten Sri Lankanischer Frauen
in farbenfrohen Gewändern. Erstaunt, woher die alle auf
einmal kamen, begannen wir ein Gespräch mit einer von ihnen
- mit Mali. Wir erfuhren, dass alle als Hausmädchen auf
Zypern arbeiten und dass Agenturen die reibungslose Vermittlung
aus dem Heimatland organisieren.
In dieser Zeit hatte ein Freund von uns eine Affäre mit
einem Headhunter. Fasziniert erfuhren wir dadurch von dessen
uns vollkommen unbekannter Arbeit. Aus diesen beiden Einflüssen
entstand spontan die erste Idee für „Kapital: Mensch
– Das Geschäft mit der Arbeit“. Sogar der Titel
stand für uns damals schon fest.
Intention
Uns interessieren die Protagonisten des Films
als Nahaufnahme der Gesellschaft. Wir wollen gesellschaftliche
Prozesse auf persönlichem Niveau vermitteln. Wir möchten
die Bewegungsunschärfe des rotierenden Stellenkarussells
aufheben. Indem wir den persönlichen Neuanfang eines Arbeitssuchenden
miterleben, springen wir gemeinsam mit ihm auf das Karussell
auf. Springen wir herunter, sehen wir, wie die Arbeitsvermittler
es anschubsen.
Der Mensch ist, was er tut. Wir fragen, was
ist er, wenn er nicht mehr tut, was er tat und noch nicht tut,
was er tun wird, sondern sich dazwischen selbst in Frage stellt.
Auf Reisen haben mich immer wieder die
Leute überrascht, für die die Reisezeit nicht zählt.
Für mich dagegen ist sie fast das Wesentliche. [...] Schließlich
lebt man dabei ja ebenso sehr. [...] Für die Leute existiert
diese Zeit nicht. Für sie existiert die Zeit nur als erstarrte
Zeit, wenn man sagen kann, dass man an dem Ort bleibt, wo man
gerade eingetroffen ist und von wo aus man wieder aufbrechen
muss, und zwischen beiden existiert nichts. Ich glaube, gerade
dieses zwischen ist das, was existiert.
Jean-Luc Godard, Pressekonferenz in
Avignon.