Ekelhaft Gesund

Medizinische Behandlung mit Blutegeln und Maden

Synopsis - Maden

(2): Maden – Regie: Robert Cibis

„Das sind Maden. Maden für die Wundbehandlung. Also, wenn sie eine chronische Wunde, oder eine nekrotische Wunde haben, dann können sie diese Maden benutzen“, erklärt Bernd Baum, Geschäftsführer der Biomonde GmbH auf einer Medizinmesse ausländischen Ärzten. Eine Studie hat gezeigt, dass die Anwendung der Maden 30 Prozent von Amputationen bei diabetischem Fußsyndrom verhindern kann, wenn man sie rechtzeitig einsetzt. Außerdem ist die Anwendung kostengünstiger als die Therapie mit Antibiotika. Biotherapie statt Pharmakeule. Das liegt im Trend.

Jungmaden

Die Maden werden so gezüchtet, dass sie keimfrei sind. Das macht sie zu „medizinischen Maden“, die dann in der Wundtherapie eingesetzt werden können. Bei der Behandlung werden sie in die offene Wunde gesetzt. Dort sondern sie eine Flüssigkeit ab, die nur nekrotisches, also totes Gewebe zersetzt. Anschließend saugen sie dies in sich hinein. Die Wunde kann dann, befreit von totem Gewebe und gereinigt durch die Flüssigkeit, wieder besser heilen. Die kleinen Helfer verbleiben 3 bis 4 Tage in der Wunde. Dabei erreichen sie das 100fache ihrer Größe.

Bereits die Maya kannten die heilende Wirkung der Maden. In Europa wurde die heilende Wirkung durch einen Zufall wiederentdeckt. Im ersten Weltkrieg stellte der Chirurg William S. Baer überrascht fest, dass sich die Wunden zweier Soldaten, die voller Maden waren, in erstaunlich gutem Zustand befanden. Baer war Professor für orthopädische Chirurgie an der John-Hopkins Universität in Baltimore und führte dort Versuche mit Patienten durch, die an einer therapieresistenten chronischen Knochenmarksentzündung litten. Was die Ärzte nicht schafften, gelang einigen Nachkömmlingen der heimischen Schmeißfliege. Alle Patienten konnten als geheilt entlassen werden. Maden galten nun als eine Wunderwaffe, bis sie in den 30er Jahren von den Antibiotika verdrängt wurden.

Die Made hat ein großes Handicap: Ihr Image. Menschen ekeln sich vor ihr. Pharmaunternehmen können die Made auch nicht als Heilmittel patentieren. Um den Ekel bei Patienten und beim Pflegepersonal zu verkleinern, gibt es die Maden auch in einem teebeutelartigen Stoffsäckchen, einem so genannten Biobag. Durch den grobförmigen Stoff hindurch können die Maden ihre heilende Wirkung tun und sind doch für die Beteiligten weniger eklig. Die Forscher verfolgen ein visionäres Ziel: Sie wollen das Madensekret in Form eines Pflasters herstellen. Allerdings gelingt dies bisher nur ohne die antibakterielle Wirkung der Made.

Der Film “Ekelhaft Gesund: Maden” gibt dem Zuschauer einen spannenden Einblick in die aktuelle Anwendung der Madentherapie, die überraschende Entdeckung der Behandlung und die internationale Forschung über die Wirkungsweise und die zahlreichen Fähigkeiten der Maden in den USA und in Deutschland.