Wenn Sie heute die Gehaltshöhe von
jemanden erraten sollten und sie nur eine einzige Frage
stellen dürften, würde sie lauten: „In welchem
Land leben Sie?“ Der Grund liegt in den riesigen Differenzen
im Durchschnitts-Einkommen zwischen den einzelnen Ländern.
In zwanzig Jahren werden Sie eine andere Frage stellen müssen,
um über das Gehalt Bescheid zu wissen: „Welche
Ausbildung haben Sie?“
Bill Gates, Business @ the Speed of thought
Die Prophezeiung von Bill Gates ist auf dem besten
Wege einzutreffen. Der Wert eines Menschen in der Arbeitswelt hängt
von seinen Qualitäten und der Marktlage ab, er wird zum leicht
verschiebbaren Arbeitskraftkapital. Ein „Kapital“, dass
von einem Unternehmen zum nächsten springt. Von einem Kontinent
zum anderen. Diese Arbeitnehmerwanderung hat eine neue Branche entstehen
lassen: Die private Arbeitsvermittlung.
Die Stelle und oft sogar das Land zu wechseln, heißt,
von einer alten in eine neue Welt zu kommen. Das kann auf persönlicher
Ebene schwierig sein. Denn das „Arbeitskraftkapital“
sind auch Menschen:
Colombo, Sri Lanka: Chamila
Alvis weiß nicht mehr, wie sie ihre drei kleinen Kinder
ernähren kann, denn ihr Mann ist vor kurzem bei einem Unfall
gestorben. In Sri Lanka gibt es kein Arbeit für sie. Sie fasst
sich ein Herz und geht zum Bewerbungsgespräch zu einer Agentur,
die BilligarbeiterInnen nach Europa vermittelt. Sie plant, als Hausmädchen
nach Zypern aufzubrechen.
Magdeburg, Deutschland: Unter Hunderten anderer
arbeitsloser Bauarbeiter aus Ostdeutschland informieren sich Volker
Nebelung und Dirk Wagner
auf der Jobbörse über Jobs im Ausland. Eine hübsche
junge Holländerin verspricht Ihnen sehr gut bezahlte Arbeit
in London. Sie sollen den Terminal 5 des Flughafen Heathrow mitbauen.
Doch vorher müssen sie zwei Monate in einem Englischkurs
absitzen.
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