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„Ich weiß nicht, warum wir es nicht früher erkannt
haben, aber New York eignet sich perfekt dafür, zum Jesus-Zentrum
der Welt zu werden“, sagt Scott Rourk, 33-jähriger
Pastor der Southern Baptist Church. Rourk glaubt, dass das Dritte
Große Erwachen in New York seinen Anfang nehmen könnte.
Das Zweite Große Erwachen, diese zweite religiöse Hochphase
der amerikanischen Geschichte fand im 19. Jahrhundert statt. Damals
breitete sich in den amerikanischen Städten ein religiöser
Eifer aus, der das Gesicht amerikanischer Religiosität veränderte.
Scott Rourk ist erst kürzlich mit seiner Familie von Atlanta
nach New York gezogen, um dort auf dem Times Square eine neue Kirche,
die four one one, aufzubauen. Ihr Ziel ist es, die New Yorker Künstler-Gemeinde
von der Gültigkeit biblischer Botschaften in ihrem täglichen
Leben zu überzeugen.
Der religiöse Ansatz dieser missionierenden Evangelikalen
gründet auf der Überzeugung, dass sich die Kirche nach
den Anforderungen der Zeit richten muss. Entsprechend nutzt Scott
moderne Kommunikationstechnik und Marketing-Strategien, um das Wort
Jesu zu verkünden: eine coole CD-ROM ist seine Visitenkarte,
christliche Rockmusik seine Kirchenglocken und die Betenden auf
New Yorks Straßen seine Stimmen des Wandels. Die four one
one, teilfinanziert von der Southern Baptist Convention, der größten
evangelikalen Organisation in den USA, ist ein Beispiel für
deren strategische Pläne, den christlichen Glauben in die urbanen
Zentren zu tragen.
Ziel ist es, das Konzept des „neugeborenen Christen“
Menschen verschiedener Glaubensrichtungen näher zu bringen,
unter den Katholiken wiederzubeleben und die Institution der Kirche
den Bedürfnissen einer modernen, städtischen Bevölkerung
anzupassen. Die Southern Baptist Convention
mit ihren 16 Millionen Mitgliedern, die in 42 000 Kirchen in den
USA beten, finanziert etwa 5000 Missionare im Inland und ebenso
viele in weiteren 153 Ländern – sie sollen das Evangelium
in den USA und der ganzen Welt verbreiten. Führende amerikanische
Persönlichkeiten wie George W. Bush und der TV-Prediger Billy
Graham und sein Sohn Franklin Graham sind „neugeborene Christen“.
Die
New-York-Kampagne der Southern Baptists ist ein missionarischer
Plan, der vor sechs Jahren entwickelt und aufgrund des „erhöhten
Bedarfs an Kirchen“ nach dem 11. September 2001 vorgezogen
umgesetzt wurde. Eine Kirche in New York zu errichten, ist dennoch
keine einfache Aufgabe. Für Scott Rourk ist die Arbeit in dieser
kulturell und religiös völlig gemischten Metropole fast
so, als würde man im Ausland missionieren.
„What man intends for evil, God turns into good“
– von diesem Bibelspruch ist Scott fest überzeugt und
deshalb glaubt er auch, dass die Ereignisse vom 11. September, die
das Ziel hatten, Amerika zu zerstören, Jesus den Weg in die
Herzen der vielbeschäftigten New Yorker ebnen werden. Er glaubt,
dass seine Kirche dabei mitwirken wird, diese Botschaft zu verkünden
und das Große Erwachen einzuleiten. Doch
wird New York, in dem auch Hinduismus, Islam, Katholizismus und
Judaismus zu Hause sind, wirklich seine Schmelztiegel-Mentalität
aufgeben und dem Ruf der Evangelikalen zu einer einheitlichen Religion
folgen?
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