Über den Film
Ein Film von Stefanie Schmidt und Lilian FranckProduktion: OVAL Filmemacher www.oval-film.com
Sendetermin auf ARTE:
01.10.2010 um 21:45 Uhr
Immer häufiger werden bei Kindern psychische Störungen diagnostiziert. Vor allem in den USA werden sie in erster Linie mit Psychopharmaka behandelt. Aber auch weltweit sind die Verordnungszahlen von Psychopharmaka bei Kindern in den letzten zehn Jahren um 250 Prozent gestiegen. „Glück aus der Dose“ beleuchtet die Kontroverse um Nutzen und Risiko dieser Medikamente. Bei dem 11 jährigen Raul aus New York ist eine bipolare (manisch-depressive) Störung diagnostiziert worden. In den letzten zehn Jahren ist diese Erkrankung bei amerikanischen Kindern 4000-mal häufiger festgestellt worden als vorher. Dieser Anstieg geht auf eine Studie des Massachusetts General Hospital in Boston zurück. In Europa hingegen beurteilt man das vorwiegend als Fehldiagnose. Warum dieser Expertenstreit?
Mit der Begründung „individueller Heilungsversuch“ können Ärzte Medikamente an kleinere Kinder verschreiben, man spricht dann von „Off-Label-Use“. Die Eltern von Raul versprechen sich von den Pillen Hilfe. Was tun, wenn das eigene Kind nicht in der Lage ist am normalen Leben teilzunehmen? Ihr Sohn ist bereits mit 3 Jahren verhaltensauffällig und seither schluckt er verschiedene Medikamente. Als er 9 Jahre wird, rastet er aus, zertrümmert sein Zimmer und schlägt seine Mutter. Die Eltern rufen die Polizei, er kommt in die Psychiatrie… Mark-André aus Berlin, 5 Jahre, hat ADHS. Seine Familie versucht ihm vorerst mit alternativen Methoden zu helfen. Der Junge kann sich nicht konzentrieren und ist in seiner Entwicklung stark zurückgeblieben. Seine Ärztin verschreibt grundsätzlich keine Medikamente an Kinder unter 6 Jahren. Als aber sein 6. Geburtstag näher rückt und er immer noch nicht mit seiner Umwelt zurecht kommt, müssen seine Eltern überlegen, wie es weitergeht… Stefanie Schmidt und Lilian Franck nähern sich dem schwierigen Thema sehr sensibel. Sie fügen die verschiedenen Theorien und Erklärungsversuche der Wissenschaftler mit den Beobachtungen, die sie in den Familien mit den betroffenen Kindern machen konnten, zusammen. So entsteht aus einzelnen Puzzleteilen eine beeindruckende Dokumentation.